Prof. Dr. Dr. h.c. Curt Sandig

 

Curt Sandig (* 06.05.1901; † 01.09.1981) absolvierte nach dem Besuch der Handelslehranstalt eine kaufmännische Lehre. Nach folgender Berufspraxis erwarb er als Schulfremder die Hochschulreife. Ab 1922 studierte er Wirtschaftswissenschaften an den Handelshochschulen Mannheim, Leipzig und Berlin. 1929 wurde er von Heinrich Nicklisch in Berlin zum Dr. oec. promoviert. Er habilitierte sich 1934 im Fach Betriebswirtschaftslehre in Leipzig, wo er anschließend bis 1937 als Privatdozent tätig war. Danach lehrte er als außerplanmäßiger Professor an der Universität Heidelberg.

Curt Sandig war von 1920 bis 1921 Mitglied der Organisation Escherich bzw. des Bundes der Brüder vom Stein. 1933 trat er in die SA ein. 1934 unterschrieb er das Bekenntnis der Professoren an den Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat. Ab 1937 war er Mitglied der NSDAP. 1941 wurde er als Kriegsverwaltungsrat zur Wehrmacht eingezogen. Von 1944 bis 1946 war er in England in Kriegsgefangenschaft.

Auf Anordnung der amerikanischen Militärbehörde wurde Curt Sandig 1946 von der Universität Heidelberg entlassen. Im Spruchkammerverfahren zur Entnazifizierung wurde er, weil materiell nicht belastet, in die Gruppe der Mitläufer eingeordnet. Maßgebend war dabei, dass viele unbelastete Leumundszeugen bestätigten, dass er wissenschaftlich und sachlich orientiert gewesen war.

1949 wurde Curt Sandig zum planmäßigen außerordentlichen Professor an die Wirtschaftshochschule (heute Universität) Mannheim berufen. Von 1955 bis zu seiner Emeritierung 1969 war er Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre. Er wurde zum Dekan, Prorektor und Rektor gewählt und war Vorsitzender des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft. Sein ausgeprägter Praxisbezug konkretisierte sich auch in seiner Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer.

Von 1967 bis zu seinem Tode war Curt Sandig ehrenamtlicher geschäftsführender Gesellschafter der gemeinnützigen Bumiller-Raab-Haus-Stiftung.

Lebenswerk

Mit seinem 1953 veröffentlichten Werk mit dem Titel Die Führung des Betriebes. Betriebswirtschaftspolitik beeinflusste er maßgeblich die normative, auf Entscheidungen beruhende Unternehmensführung. Gegenstand seines überarbeiteten, vertieften Buches unter dem Titel Betriebswirtschaftspolitik ist das politische Element des innerbetrieblichen und marktgerichteten Wirtschaftens in Unternehmen und dessen sozialwissenschaftlicher Bezug.

Sandig gehört zu den Professoren, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Dynamik der Entwicklung der Universität Mannheim bestimmten.

Curt Sandigs 104 Veröffentlichungen umfassen 11 Bücher, 27 Beiträge in Sammelwerken und 58 Aufsätze in Zeitschriften sowie 8 Lebensbeschreibungen und Würdigungen. Außerdem war er Herausgeber bzw. Mitherausgeber der Zeitschriften Neue Betriebswirtschaft und Die Betriebswirtschaft.

Bei der Errichtung des 1971 bezogenen Wohnheims der Bumiller-Raab-Haus-Stiftung war Curt Sandig die unermüdlich treibende Kraft.

Würdigungen

Curt Sandig wurden folgende Auszeichnungen zuteil:

In dem zu seinem 80. Geburtstag gewidmeten Buch, das in Anlehnung an sein Hauptwerk unter dem Titel Die Führung des Betriebes erschien, heißt es im Vorwort der Herausgeber: Curt Sandig hat mit seinem 1953 veröffentlichten Werk  «Die Führung des Betriebes. Betriebswirtschaftspolitik»  wesentliche Anregungen und Grundlagen für die Entwicklung einer entscheidungsorientierten Betriebswirtschaftslehre geschaffen. … Die spontanen Zusagen, mit denen sich mehr als zwanzig Kollegen [ u. a. Dichtl/Raffée/Niedetzky, Gaugler, Grochla, Heinen, Rühli, Witte, Wunderer] zur Mitwirkung bereit erklärt haben, zeugen von der hohen Wertschätzung Sandigs wie auch von dem Gewicht, das einer Betriebswirtschaftlichen Führungslehre inzwischen allgemein zugemessen wird.

In der Anzeige der Universität Mannheim zum Tode Prof. Sandigs heißt es: Die Universität Mannheim verliert mit ihm einen Gelehrten, der durch seine Forschungs- und Lehrtätigkeit den besonderen Rang der Universität Mannheim mitbegründet, der sich durch sein soziales Engagement für die Studenten der Universität ausgezeichnet und durch seine vielfältigen Tätigkeiten als Rektor, Prorektor und Dekan in mehreren Amtsperioden die Entwicklung der Universität in besonderer Weise mitgestaltet und geprägt hat. Die Universität wird ihm als hervorragende Persönlichkeit und bestimmende Gestalt ihrer Geschichte ein ehrendes Andenken bewahren.

Bücher von Curt Sandig

Quellennachweise

 

Traditionsmarke CSH

Curt Sandig weist einerseits eine relevante NS-Vergangenheit auf, andererseits hat er sich um die Universität Mannheim und die Bumiller-Raab-Haus-Stiftung verdient gemacht. Im Falle CSH geht es aber nicht darum, diese beiden Seiten gegeneinander aufzurechnen. Der Begriff Curt-Sandig-Haus hat sich im Laufe von beinahe 50 Jahren verselbständigt. Er ist nicht mehr unmittelbar auf die Person Sandig bezogen. CSH steht für das überkonfessionelle, weltoffene Studentenwohnheim mit weitgehender studentischer Selbstverwaltung und einem ausgeprägten Gemeinschaftsleben. Es handelt sich um eine eigenständige, authentische Marke für eine gelebte Wohnheim-Philosophie.